35 Jahre straffreier Schwangerschaftsabbruch

Montag, 25. Jänner 2010

Seit nunmehr 35 Jahren ist der Schwangerschaftsabbruch unter gewissen Umständen straffrei - die sogenannte "Fristenlösung". Doch gewisse religiöse Kreise können noch immer nicht damit leben

Mit Inkrafttreten der großen Strafrechtsreform am 1. Jänner 1975 wurde auch der Schwangerschaftsabbruch unter gewissen Bedingungen straffrei gestellt. Prinzipiell ist zwar der Schwangerschaftsabbruch unter Strafe gestellt, wird er aber in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft vorgenommen, bleibt er straffrei. (Fristenregelung). Dass es auch andere Indiaktionen für den Schwangerschaftsabbruch gibt, wird bemerkenswerter Weise von konservativ-religiöser Seite nie thematisiert. Andere Indikationen für den straffreien Schwangerschaftsabbruch sind:

  • wenn der Schwangerschaftsabbruch zur Abwendung einer nicht anders abwendbaren ernsten Gefahr für das Leben oder eines schweren Schadens für die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren erforderlich ist oder eine ernste Gefahr besteht, daß das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt sein werde, oder die Schwangere zur Zeit der Schwängerung unmündig gewesen ist und in allen diesen Fällen der Abbruch von einem Arzt vorgenommen wird;
  • wenn der Schwangerschaftsabbruch zur Rettung der Schwangeren aus einer unmittelbaren, nicht anders abwendbaren Lebensgefahr unter Umständen vorgenommen wird, unter denen ärztliche Hilfe nicht rechtzeitig zu erlangen ist.

Anläßlich des 35. Jahrestages forderte nun Ex-Frauenministerin Johanna Dohnal eine Weiterentwicklung hin zur Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruches - also die generelle Herausnahme des Schwangerschaftsabbruches aus dem Strafgesetzbuch. Doch die konservativ-katholischen Kreise, denen die Fristenregelung - so scheint's - selbst schon zu weit geht, verwehren sich vehement gegen eine Entkriminalisierung. Man kündigt "vehementesten Widerstand" an, bezeichnet das Vorhaben als "absolut untragbar" und malt die Zukunft in den schwärzesten Farben.

Dass aber die Zahl der ungewollten Schwangerschaften steigt, daran sind zu einem großen Teil gerade diese Kreise schuld, da sie gegen Sexualaufklärung an Schulen und prinzipiell gegen jede Art von Verhütung (mit Ausnahme von Knaus-Ogino, natürlich) sind.

Es mutet seltsam an, dass man am Beginn der "10er"-Jahre noch immer für solche Selbstverständlichkeiten wie das Selbtbestimmungsrecht der Frau eintreten muss. Gerade hier zeigt sich die Schädlichkeit religiösen Einflußes.

Wolfgang Huber