Aktion auch in Österreich gestartet: Es gibt keinen Gott!

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Die Vorgeschichte:
Ausgehend von England laufen mittlerweile in einer Anzahl europäischer Städte atheistische Werbekampagnen: Busse mit "No-God" Aufschriften.
Kein Problem war das in Großbritannien oder in Spanien, in anderen Ländern wie Italien oder Deutschland konnten die Kirchen ihre Macht demonstrieren: die Busgesellschaften verweigerten die Vermietung von Werbeflächen für diese Kampagne.

Auch in Wien wurde versucht, eine Werbekampagne für ein gottloses Leben zu starten.
Die Verträge mit der für die Buswerbung zuständigen Firma Gewista waren unterzeichnet.
Auf zwei Buslinien sollten Anfang Juni diese Aufschriften angebracht werden:


Aber dann folgte eine sehr undurchsichtige Zensur für Wiener "No-God"-Bus-Aktion! Wiener Linien und Gewista erfüllten den Vertrag nicht! Angeblich weil keine religiöse (!!!) Werbung gestattet sei.
Siehe http://www.buskampagne.at/ und
http://www.ag-athe.at/2009/06/08/atheistenbus-gestoppt
Darüber gab es einen ORF-Bericht in ZiB 2 vom 10. Juni:
http://www.ag-athe.at/2009/06/10/atheistenbus-gestoppt-bericht-zeit-im-bild-2/
Diese Durchsetzungsversuche kirchlicher Allmacht im säkularen Bereich wird jedoch nicht zur Kenntnis genommen, drei Organisationen von Nichtreligiösen (AGATHE - Arbeitsgemeinschaft AtheistInnen und AgnostikerInnen für ein säkulares Österreich, AHA - Allianz für Humanismus und Atheismus und FBOE - Freidenkerbund) setzen die Kampagne mit anderen Mitteln fort (siehe Aussendung 1). Mittlerweile erfahren wir zunehmende Unterstützung (siehe Aussendung 2), die Wiener Grünen stellten im Wiener Gemeinderat eine Anfrage, die inhaltlich unbeantwortet blieb.
Dritte Aussendung am 14.7. zu "Gottes Geburtstag".

Dieses Geschehen zeigt wie sehr im aufgeklärten Europa die Knute der Religionsführer ihre Herrschaftsbereiche zu verteidigen vermag. Religionszwang oder direkte Verfolgung von Ungläubigen geht halt nimmer, aber die christliche Zensur führt sogar staatliche Buslinien am Nasenring spazieren!

Aber die Aktion wurde trotzdem gestartet:
Am 16. Juli wurden die folgenden Plakate an Wiener Haltestellen angebracht, die Präsentation der Sujets erfolgte Mariahilfer Straße 1A:

Die Berichterstattung über die Plakataktion war sehr gut:
http://derstandard.at/fs/1246542182998/Atheisten-Kampagne-Ab-16-Juli-heisst-es-Es-gibt-keinen-Gott
http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3941&Alias=wzo&cob=425668
http://www.wienweb.at/content.aspx?menu=1&cid=165165
http://www.stol.it/Artikel/Panorama/Anti-Gott-Kampagne-startet-in-Wien
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,636384,00.html
http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/07/die-atheismuskampagne-findet-nun-doch-in-wien-statt.php
http://www.vol.at/news/politik/artikel/anti-gott-werbung-ab-donnerstag-in-wien/cn/apa-1141053174
http://preise.salzburg.com/online/ticker/motor/Anti-Gott-Werbung-ab-Donnerstag-in-Wien.html?article=eGMmOI8VdeKWytVBOtIAVn3HAaSlQ1xyaVXAm7Y&img=&text=&mode=&
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/wirtschaft/2082390/anti-gott-werbung-ab-donnerstag-wien.story
http://www.news.at/articles/0929/10/246555/es-gott-auf-gottlose-kampagne-wien
http://wien.orf.at/stories/375557/

Berichte nach dem Start der Plakataktion:

http://hpd.de/node/7445
http://oe1.orf.at/konsole/otoninfo?id=110062
http://ondemand.orf.at/bheute/player.php?id=wie&day=2009-07-16&offset=00:17:38
http://oe1.orf.at/inforadio/110062.html?filter=0
http://orf.at/?href=http%3A%2F%2Forf.at%2Fticker%2F334611.html
http://www.style.at/contator/style/news.asp?nnr=38582
http://www.megatreff.at/aktuelles.html?&tx_mmforum_pi1%5Baction%5D=list_post&tx_mmforum_pi1%5Btid%5D=4806
http://www.nabumm.tv/nabumm/news/index.asp?ID=3126
http://www.extradienst.at/Artikel.53+M57cd9c14e34.0.html
http://www.kathnews.com/index.php?page=Thread&threadID=5814&pageNo=61
http://schoenswetter.wordpress.com/
http://www.upclive.at/News___Wetter/Wien/2090/20902468.html?entryId=1524761
http://www.upclive.at/News___Wetter/Inland/?entryId=1522995
http://nachrichten.at.msn.com/inland/article.aspx?cp-documentid=148585897
Am 21. Juli lief im ORF ein Report-Beitrag über die No-god-Kampagne: http://www.youtube.com/watch?v=6XzH-7EKtLI
Der Theologe Paul Zulehner machte ein paar Vorschläge, die interessant klingen, dazu eine
Presseaussendung!


Am 9.8. zog Christoph Baumgarten vom Freidenkerbund auf http://www.politwatch.at/ folgende Bilanz:

Märchenstunde in St. Pölten

Die Diözese St. Pölten begibt sich einmal mehr in die Arme der Reichen und Mächtigen. Gesponsert unter anderem von Raiffeisen und NÖN lässt Opus-Dei-Mitglied Klaus Küng eine Propagandawelle auf Plakaten anlaufen. Im Unterschied zur Atheisten-Kampagne bleibt der Aufschrei aus. Obwohl hier wesentlich mehr Fragen offen sind.

Gottesbeweise sind so eine Sache. Sie funktionieren nur, wenn man von vornherein an Gott glaubt. ... wenn Du Deinen Atem spürst. Ich bin immer da. Gott. Solche und ähnlich dumme Sprüche lässt die katholische Kirche im Gebiet der Diözese St. Pölten plakatieren. Mehr als 400.000 Euro ist die Kampagne wert. Die Kirche zahlt keinen Cent.

Man kann es sich richten, wenn man befreundete Konzerne und verlängerte Arme hat. Die finanzielle Hauptlast tragen Raiffeisen und NÖN. Beide nicht als Horte progressiven Gedankenguts bekannt, beide mit deutlicher ÖVP-Schlagseite. Beide mit Naheverhältnis zur katholischen Kirche.

Der mediale Aufschrei bleibt aus. Mag sein, dass niemand die Slogans von Klaus Küng ernst nimmt. Oder dieses Land ist wirklich so verzopft, wie es unsere Atheismus-Kampagne den Anschein hat. Die gleichen Medien, die uns damals faktenwidrig und tendenziell rufschädigend "böse Geschäftemacherei" vorgeworfen hatten, begleiten die katholische Propaganda-Aktion freundlich. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Strukturelle Diskriminierung

Die katholischen Missionierungsplakate aus dem Fundi-Eck stoßen allerdings nicht auf allzu große Aufmerksamkeit. Insofern weit ineffizienter als die drei (!) Plakate, die wir auf eigene Kosten in Wien haben anbringen lassen. Im Unterschied zu unserer Kampagne will die Kirche auch nicht darauf aufmerksam machen, dass ihre Mitglieder gesellschaftlich diskriminiert werden. Sie will ihre Kerngruppen mobilisieren und wenn möglich, mehr Menschen als bisher in die chronisch leeren Kirchen treiben. Anders ist der Titel "Aufbruchkampagne" auch nicht zu verstehen.

Die Finanzierung beweist einmal mehr, dass kleine Weltanschauungsgemeinschaften in Österreich strukturell diskriminiert werden. Für uns hat niemand 400.000 Euro locker gemacht. Die Kampagne finanziert sich ausschließlich aus Beiträgen der Vereine AG-ATHE, AHA und Freidenkerbund sowie aus Spenden. Ein überschaubares finanzielles Potential. Großspender, die sich als Atheisten hätten outen wollen, gibt es keine. Auch keine, die mit ihrem Geld eine Debatte über den Ursprung von Ethik und Moral hätten initiieren wollen. Klaus Küng schnippt mit dem Finger und das Geld ist da. Mit den Milliarden, die die katholische Kirche jährlich vom Steuerzahler bekommt, kommt er offenbar nicht aus. Die einzigen öffentlichen Zuwendungen, die unsere Vereine bekommen, sind die Publizistikförderungen für unsere Vereinszeitschriften. Die Summen sind überschaubar und die kriegt wirklich jeder.

Das soll kein Lamento über uns arme Atheisten sein. Anderen Gemeinschaften mit nachvollziehbaren gesellschaftspolitischen Anliegen geht es nicht viel besser. Flüchtlingshilforganisationen, Menschenrechtsorganisationen, die Homosexuellenbewegung - sie bekommen zusammen einen Bruchteil der 2,5 Milliarden Euro, die Religionsgemeinschaften jährlich an direkten und indirekten Zuwendungen von Bundes- und Landesregierungen und Gemeinden erhalten. Sie sind auch nicht mit Sondergesetzen wie den Paragrafen 188 und 189 des österreichischen Strafrechts geschützt. Homophobe oder rassistische Äußerungen müssen ziemlich aus dem Rahmen fallen um ein Fall für den Strafrichter zu werden, Atheisten darf man überhaupt so gut wie ungestraft verunglimpfen. Bei Religionsgemeinschaften ist der Rahmen wesentlich enger gesteckt. Wir sind schon froh, dass gegen die Atheisten-Kampagne niemand Anzeige wegen der Verletzung religiöser Gefühle erstattet hat. Eine Verurteilung wäre aufgrund des Gummiparagrafen durchaus möglich, wenn auch unwahrscheinlich. Selbst Strafrichter gehen gelegentlich mit der Zeit. Mit diesen Parolen haben wir unseren Rahmen an rechtlich zulässigen Äußerungen aber schon so ziemlich ausgeschöpft.

Die Republik bevorteilt systematisch eine Art der Überzeugung (die ich jedem persönlich gerne zugestehe) gegenüber jeder anderen. Das ist aktive Diskriminierung. Eine Art von Diskriminierung, die sich auf gesellschaftlicher Ebene fortsetzt. Wie die Kampagne der katholischen Kirche beweist. Für einen nicht nachweisbaren gesellschaftlichen Nutzen wie eine Missionierungskampagne werden große Summen locker gemacht. Niemanden stört es. Aber wehe, jemand ruft laut: "Es gibt keinen Gott. Werte sind menschlich. Es liegt an uns". Eine laizistische Gesellschaft sieht anders aus.

Christoph Baumgarten

Für die Trennung von Staat und Religion!

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